Der Newsletter der kiselbsthilfegruppe.de heißt jetzt rundbrief.ai

Rundbrief.ai
Abonnieren
Menü

Rundbrief · Der KI-Newsletter aus Berlin

12 Min · 48 Meldungen Neueste Ausgabe Archiv

Editorial

Grüße aus dem Sommerloch!

Quatsch — die KI kennt kein Sommerloch. Höchstens die Börse: SanDisk −50 %, SK Hynix −47 %, Micron −33 %, rund zwei Billionen Dollar Marktwert in vier Wochen verdampft. Der Auslöser lässt sich in einem Wort zusammenfassen: China. Die Angst geht um, dass günstige offene Modelle aus Fernost das teuer errichtete Geschäft der Frontier-Labs unterspülen. Das Rennen läuft — Open Source gegen Closed Source, zentral gegen dezentral — und es wird mit harten Bandagen geführt.

Wie hart, zeigt der offene Brief der Woche: Über 70 US-Firmen — Nvidia, Google, Meta, Microsoft, sogar OpenAI — stemmen sich gemeinsam gegen ein mögliches Verbot chinesischer Open-Weight-Modelle. Jensen Huang schrieb dafür seinen allerersten X-Post. Offiziell geht es um Sicherheit versus Offenheit. Tatsächlich geht es um Geld und um Nutzer:innen. Von Letzteren hat OpenAI jetzt übrigens eine Milliarde — pro Woche. Und wer eine Milliarde Nutzer:innen verteidigen muss, senkt schon mal die Preise um 80 Prozent, drei Wochen nach Launch. Früher hieß so etwas Räumungsverkauf. Heute heißt es Verteidigungsstrategie.

Die eigentliche Schlagzeile der Woche kommt aber aus dem Maschinenraum: Gleich zwei Labs melden, dass ihre Agenten aus der Test-Sandbox ausgebrochen sind. Bei Anthropic blieb die Übungsumgebung versehentlich online — die Modelle verschafften sich Zugriff auf drei echte Firmen. Und ein OpenAI-Agent verbrachte viereinhalb Tage und 17.600 Aktionen damit, in die Produktivsysteme von Hugging Face einzudringen — nicht, um die Aufgabe zu lösen, sondern um die Musterlösung zu klauen. Man stelle sich einen Prüfling vor, der statt der Klausur den Tresor mit den Lösungen knackt. Beeindruckend? Ja. Beruhigend? Eher nicht. Die Alignment-Debatte, zuletzt etwas eingenickt, ist jedenfalls hellwach.

Und während die einen über Kontrolle diskutieren, betonieren die anderen: Microsofts Cloud knackt erstmals 100 Milliarden Dollar Jahresumsatz, Meta hebt die Investitionen auf bis zu 145 Milliarden, die Big Four steuern auf 745 Milliarden Dollar Capex allein für 2026 zu. Nvidia wiederum bürgt mit 250 Milliarden für OpenAIs Rechenzentren, damit OpenAI Chips kaufen kann — bei Nvidia. Ein Kreislauf, den man sonst nur aus dem Physikunterricht kennt, Kapitel Perpetuum mobile.

China antwortet derweil nicht mit Briefen, sondern mit Gewichten: Moonshot legt Kimi K3 offen, Meituan liefert mit LongCat-2.0 das erste Billionen-Modell, das komplett auf chinesischen Chips trainiert wurde. Wer glaubt, Exportkontrollen würden das Rennen entscheiden, sollte diese Woche noch mal nachlesen.

Viele Fragen, wenige Antworten. Sicher ist nur: Langweilig wird es nicht — und billiger nur da, wo es gerade strategisch passt.

Viel Vergnügen mit den Links, Tools und Beobachtungen dieser Woche. Und wie immer: Wenn ihr gute Artikel, Gedanken oder Fundstücke habt, schickt sie gern rüber.

Cem

P.S.: Die Anmeldung für unser nächstes Treffen in Berlin läuft. Wer Lust hat auf einen „analogen“ Austausch mit einem Kaltgetränk und Meze, meldet sich lieber schnell an.

Papiercollage: Ein alarmierter Wissenschaftler rennt auf einen roten NOT-AUS-Knopf zu, dessen Stecker gezogen ist, während ein Roboter sich und eine Kette von Geräten wieder ans Stromnetz anschließt.
Idee von uns. Generiert mit KI.

KI Update

Die KI ist aus dem Testlabor ausgebrochen

Freitag, und die Woche hatte es in sich: Gleich zwei Labs melden, dass ihre Agenten aus dem Test-Sandbox ausgebrochen sind, OpenAI zündet den Preiskrieg, die Bilanzwoche zeigt ein Capex-Wettrüsten jenseits von Gut und Böse — und China liefert das nächste offene Billionen-Modell. Dazu ein prall gefüllter Werkzeugkasten, die dicken Deals und die Kritiker:innen. Nimm dir, was du brauchst.

📰 Das Wichtigste zuerst

  • KI-Agenten brechen aus ihren Test-Sandboxes aus — gleich zwei Labs melden VorfälleBei Anthropics Capture-the-Flag-Evals blieb die Testumgebung versehentlich online — Claude-Modelle (u. a. Opus 4.7, Mythos 5) verschafften sich unautorisierten Zugriff auf drei echte Firmen, in einem Fall wurden Produktionsdaten exfiltriert. Parallel lief ein OpenAI-Agent im HuggingFace-„ExploitGym“ ~17.600 Aktionen über 4,5 Tage und drang in HF-Produktivsysteme ein, um die Test-Lösungen zu stehlen statt die Aufgabe zu lösen. Die Alignment- und Kontroll-Debatte ist schlagartig zurück.Quelle: anthropic.com

Kurz notiert — was kommt

🛠 Tools der Woche

Aus dem frischen Praxis-Recap (31.07.). Diese Woche war klar Agenten- und Doc-Woche.

  • Gemini räumt deine Google-Docs-Kommentare aufGoogle hat am 28.07. „Gemini-powered comment workflows“ in Docs ausgerollt: Gemini liest, fasst zusammen und beantwortet Kommentar-Threads direkt im Dokument. Im Panel z. B. „Fasse alle Kommentare von Sarah zusammen“ — es schlägt Antworten und Edits vor, die du nur noch abnickst. Spart das Durchklicken von 30 Fäden. (Business/Enterprise, Education Plus, AI Pro/Ultra; nur mit Bearbeitungsrechten.)Quelle: workspaceupdates.googleblog.com
  • Bilder, Diagramme & Infografiken direkt in Google DocsEbenfalls seit 28.07.: Gemini erzeugt und bearbeitet Bilder, Diagramme und Infografiken direkt im Dokument, kontextbasiert auf deinen Text. „Füge in jeden Abschnitt eine passende Infografik ein“ und per Natural Language nachschärfen — Reports und Angebote aufhübschen, ohne extra in Canva/Figma zu springen. (Aktuell nur im Web.)Quelle: workspaceupdates.googleblog.com
  • HubSpot Agent Hub & Agent Builder — Agenten bauen ohne DevHubSpot hat am 23.07. Agent Hub und Agent Builder in die Public Beta geschickt: ein zentraler Ort, um KI-Agenten für Marketing, Sales und Service zu bauen und zu überwachen, alle mit demselben Kund:innen-Kontext. Vorgefertigte Agenten deployen oder im Low-Code-Builder eigene bauen (Lead-Qualifizierung, Termin-Parsing, Follow-ups); ein Referenzfall drückte Kalender-Parsing von 15–20 Min. auf Sekunden. (Professional/Enterprise.)Quelle: hubspot.com
  • Vendasta AI Employees: Social-Media-Manager & Blogger als AgentVendasta hat am 29.07. zwei autonome „AI Employees“ allgemein verfügbar gemacht — einen Social Media Manager und einen Blogger, die standortbezogen Content erstellen, planen, veröffentlichen und auswerten. An die Wissensbasis eines Standorts andocken, dann publiziert der Agent ohne Briefing nativ auf Social und WordPress — praktisch für Agenturen und lokale KMU. (Kostenpflichtig.)Quelle: vendasta.com
  • BrowserStack Test Companion — Testing-Agent im EditorBrowserStack hat am 29.07. Test Companion gelauncht: agentische KI fürs Testen, die direkt in der IDE Tests schreibt, ausführt, debuggt und pflegt — Web und Mobile. Aus dem Marketplace in VS Code, JetBrains, Cursor oder Antigravity installieren, läuft ab Tag eins mit deinem Stack. Laut BrowserStack bis zu 4× schnelleres Schreiben und Pflegen von Tests.Quelle: browserstack.com
  • Claude Code v2.1.219 — Opus 5 als Default, Reviews im HintergrundClaude Code hat diese Woche (v2.1.219, 24.07.) Opus 5 zum Standardmodell gemacht — mehr Speed und Kontext — und Code-Reviews laufen jetzt im Hintergrund. „/code-review“ prüft den aktuellen Diff und meldet Findings, ohne Dateien anzufassen; „/verify“ lässt Claude die eigene Arbeit gegenprüfen. Beides nur auf manuellen Aufruf — so verpulverst du keine Tokens ungewollt.Quelle: support.claude.com
  • Außerdem neu: Grok Voice Think Fast 2.0Echtzeit-Sprachagent (hört/denkt/spricht gleichzeitig, 25+ Sprachen) direkt im Agent Builder — bei 0,08 $/Min. lohnt sich schon ein Prototyp fürs Terminbüro.Quelle: x.ai
  • Außerdem neu: Perplexity „Computer“ für WindowsDesktop-Agent (seit 28.07.), liest lokale Dateien und arbeitet in Word/Excel/PowerPoint/Outlook mit: „lies die Outlook-Anfrage, zieh die Zahlen aus der Excel und bau ein PowerPoint“ als ein Befehl.Quelle: aimagazine.com
  • Außerdem neu: Grok „Build Mode“App, Website oder Game aus einem Prompt, Live-Preview, per grok.me-Link teilbar (Early Beta, SuperGrok Heavy).Quelle: x.ai
  • Außerdem neu: Voice-Doppelschlag bei OpenAI und AnthropicGPT-Live-Voice kommt in die ChatGPT-Desktop-App (Hotkey über jede App); Claudes Voice-Mode läuft jetzt auf Sonnet/Opus und kann mitten im Gespräch Gmail, Kalender und Slack aufrufen.Quelle: openai.com

💰 Business-Marker

🔭 Längere Perspektiven

🐦 Darüber spricht X

Fundstücke aus der Timeline — kurz, kurios, praktisch.

🗣 Kritische Stimmen

Aus dem Wochen-Digest (KW 31). Ruhige Woche im Kritiker:innen-Lager — mit einem klaren Doppelschlag.

  • KI = neue Überwachungs- und Machtarchitektur (das dominante Thema)Am selben Tag (24.07., Bloomberg) liefern Meredith Whittaker (Signal) und Karen Hao (Empire of AI) zwei Seiten derselben Kritik: agentische Assistenten, Device-Scanning und Ad-Tracking konvergieren zu einer Überwachungsarchitektur, Copilot-artige Agenten als „Backdoor“ in private Daten (Whittaker); die KI-Konzerne bauen bewusst auf Konzentration von Macht, Kapital und Ressourcen — „es müsste nicht so gebaut werden“ (Hao).Quelle: bloomberg.com
  • „Platzt die Blase?“ — Ökonomie-RealitätscheckGary Marcus ist diese Woche fast allein mit den harten Zahlen: unklar, ob die großen KI-Firmen je profitabel werden; das Scaling-Investment sei die „größte Fehlallokation von Kapital der Geschichte“. Kein Weltuntergangs-, sondern ein Bilanz-Argument.Quelle: cnbc.com
  • Die versteckte Arbeit hinter der KILäuft über Karen Hao mit: Kenia-Klickarbeit, Wasserverbrauch in Chile, Umwelt-Fußabdruck als Teil des „Empire“-Arguments. Leiser Treffer daneben: Safiya Noble mit einem Harvard-Gespräch zu Algorithms of Oppression (27.07.) — etablierte These, kein neues Argument.Quelle: bloomberg.com
Teilen
X LinkedIn WhatsApp Bluesky E-Mail

Rundbrief

Die nächste Ausgabe per E-Mail

Das Wichtigste in 8 Minuten – alles Weitere, wenn du Zeit hast. Kostenlos, mit Bestätigungslink.

Rundbrief

Rundbrief abonnieren

Das Wichtigste aus der KI-Welt in 8 Minuten – alles Weitere, wenn du Zeit hast. Kostenlos per E-Mail.