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Rundbrief · Der KI-Newsletter aus Berlin

22 Min · 95 Meldungen Neueste Ausgabe Archiv
Papiercollage: ein Papierroboter im Sprint verliert sein Unterbein, während das rote Zielband unberührt vor ihm hängt.
Idee von uns. Generiert mit KI.

Editorial

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2.000 Roboter in Peking, und der schnellste kann nicht bremsen

16 Länder, olympiaähnliche Disziplinen, Associated Press überträgt live — das ist das visuell Beeindruckendste dieser Tage. Und zugleich der ehrlichste Realitätscheck: Der schnellste Humanoid läuft 12,66 Meter pro Sekunde, scheitert dann aber am Bremsen und bricht auseinander, und Unitrees eigener Gründer sagt, der ChatGPT-Moment der Humanoiden stehe noch aus.

Die praktischste Nachricht der Woche klingt zunächst technisch. Nvidia hat ein Agentensystem auf einen schweren Benchmark losgelassen und volle hundert Punkte geholt. Interessant ist nicht der Wert, sondern die Fußnote: Das Modell darunter kommt allein auf etwa dreißig. Den Rest macht das Gerüst — dauerhaftes Gedächtnis, Werkzeuge, eine Aufsichtsinstanz, die zwischendurch korrigiert. Ein kleines Londoner Lab kommt von der anderen Seite zum selben Ergebnis: Sein Agent läuft auf einem vergleichsweise winzigen Modell und schlägt trotzdem die großen Namen beim Nachbauen wissenschaftlicher Studien. Nicht die Größe entscheidet, sondern die Schleife drumherum.

Der andere Strang zieht sich aus der letzten Ausgabe durch. Über die Kosten des KI-Ausbaus wurde bisher vor allem in Analystenpapieren gestritten. Diese Woche wurde die Rechnung an zwei sehr viel konkreteren Orten gestellt: an der Kasse und in zwei Gouverneursbüros.

Amazon hat über Nacht die Preise für die eigene Hardware angehoben. Der Echo Dot kostet statt fünfzig jetzt achtzig Dollar, der Kindle statt hundertzehn hundertfünfzig. Amazon bestätigt das und nennt als Grund die Speicherpreise, die wiederum steigen, weil KI-Rechenzentren den Markt leerkaufen. Die Blase erreicht die Allgemeinheit also nicht über eine Anhörung oder ein Manifest, sondern über einen E-Reader, der plötzlich vierzig Dollar mehr kostet.

Am anderen Ende der Kette machen gerade Politiker dicht, die die Rechenzentren vor kurzem noch angeworben haben. Shapiro in Pennsylvania und Abbott in Texas blockieren neue Standorte — ein Demokrat, ein Republikaner, dieselben Argumente: Strompreise, Wasser, Netzlast. Gary Marcus, der die kritischen Stimmen diese Woche praktisch im Alleingang bestritten hat, rechnet dazu vor, wie viel Umsatz nötig wäre, um den ganzen Bau zu refinanzieren. Je nach Schätzung zweieinhalb bis zehn Billionen Dollar. Pro Jahr. Tatsächlich verdient wird ein zweistelliger Milliardenbetrag.

Weniger erfreulich: Bei Grok steht seit dem dritten Juni ein Angriff offen, mit dem eine präparierte Webseite den kompletten Chatverlauf mitlesen kann. Ein Klick ist dafür nicht nötig, es reicht, die Seite zusammenfassen zu lassen. Gemeldet, bestätigt, bis heute nicht gepatcht. Dazu passt ein neues Ranking, das fünf große Labore fragt, ob sie einen dokumentierten Plan für den Fall haben, dass ein Modell außer Kontrolle gerät — der Beste kommt auf drei von fünf Punkten. Und in den Unternehmen kann jedes fünfte einen entlaufenen Agenten nicht in Echtzeit stoppen. Wir bauen die Gerüste gerade schneller, als wir Schalter dafür einbauen.

Von alldem völlig unbeeindruckt zeigt sich das Geld. Anthropics Banker spielen einen Börsengang im Oktober bei zwei Billionen Dollar durch. Broadcom sucht über sechzig Milliarden Fremdkapital, um Chips zu bauen und an Anthropic zu vermieten. Nvidia zahlt einem Startup sechs Milliarden für eine Lizenz und betont ausdrücklich, dass das keine Übernahme sei. Ein Buchhaltungs-Startup ist nach achtundvierzig Stunden eine Milliarde wert. Die Finanzseite und die Stromnetzseite derselben Branche leben offenbar in verschiedenen Jahrzehnten.

Bleibt das, was diese Woche tatsächlich auf dem Schreibtisch landet. Die Agenten ziehen dahin um, wo ohnehin geredet wird: Copilot in Slack und Teams, Gemini als Kommandozeile in Google Chat, Codex darf Apple Messages lesen. Der sinnvollste Einstieg ist dabei selten das Coden, sondern die Triage — Kunde meldet etwas im Kanal, daraus wird ein sauberes Ticket. Google hat aus Slides nebenbei ein Videotool gemacht. Und der Google Kalender kann jetzt Leute blockieren, die einem ungefragt Demo-Calls reinlegen. Kein KI-Feature, aber das mit dem besten Aufwand-Nutzen-Verhältnis der Woche.

Viel Vergnügen mit den Links, Tools und Beobachtungen dieser Woche. Und wie immer: Wenn ihr gute Artikel, Gedanken oder Fundstücke habt, schickt sie gern rüber.

Cem

📰 Das Wichtigste zuerst

  • Nvidias AVO holt 100 Punkte auf ARC-AGI-3 — und die Pointe ist das Gerüst, nicht das Modell100,00 RHAE auf dem öffentlichen Satz, alle 183 Level in 25 Spielumgebungen, rund 12 % weniger Umgebungsaktionen als VISTA. Nvidias Lesart: über durchhaltende Autonomie entscheidet das Harness aus persistentem Gedächtnis, Supervisor und Tools, nicht das Basismodell darunter — das allein liegt bei ~30 %. Der private Benchmark-Satz bleibt der ehrliche Test.Quelle: developer.nvidia.com

🎬 Video der Woche

Diesmal lag ein Link vor — der erste Videoblock seit Längerem.

  • World Humanoid Robot Games 2026 in Peking — AP überträgt Tag 3 liveÜber 2.000 Roboter aus 16 Ländern treten bei den „olympiaähnlichen“ Spielen an; Associated Press streamt den dritten Wettkampftag. Guter Realitätsabgleich zu den Sprint-Schlagzeilen weiter unten — und zu Unitree-Gründer Wang Xingxing, der auf der World Robot Conference gerade selbst dämpft: Fortbewegung überzeugt, Autonomie und nützliche Arbeit noch nicht.Quelle: YouTube

📅 Kurz notiert – was kommt

Papiercollage: eine kleine Figur blickt durch ein Teleskop auf kommende Termine am Horizont.

🛠 Tools der Woche

Aus dem Wochenrecap vom 23.08. (Fenster 20.–23.08. plus Nachzügler vom 18./19.08.). Thema: Agenten ziehen dahin um, wo ohnehin geredet wird — und Google hat aus Slides nebenbei ein Videotool gemacht.

Papiercollage: ein offener Werkzeugkasten mit sauber geschnittenen Werkzeugen.
  • Google Slides nimmt jetzt auf — mit Vids-Motor dahinterNeuer Record-Knopf im rechten Menü: durchsprechen, fertig, teilbarer Link. Der eigentliche Trick ist die Nachbearbeitung — du schneidest über das Transkript, löschst also Sätze statt Wellenformen, und kannst das Voiceover generieren lassen. Bemerkenswert breit verfügbar: alle Workspace-Kunden, Workspace Individual und normale private Google-Konten, kein Admin-Schalter. Haken: Rapid Release seit 20.08., Scheduled Release erst ab 07.09.Quelle: workspaceupdates.googleblog.com
  • ChatGPT Computer History — jetzt auch im EWR, UK und der SchweizChatGPT und Codex dürfen ausgewählte App- und Website-Aktivität referenzieren. Aufgezeichnet werden Interaktionsereignisse — keine Screenshots, keine Screen Recordings, kein Mikrofon. Standardmäßig aus. Klügster erster Schritt: nur die zwei, drei Programme freigeben, in denen die eigentliche Kundenarbeit passiert. Haken: macOS-Desktop, Pro. Und ja, das ist ein Aktivitätsmitschnitt auf deinem Rechner.Quelle: help.openai.com
  • GitHub Copilot zieht in Slack und Teams ein`@GitHub` erwähnen startet eine echte Agent-Session direkt im Chat. Der praktischste Einstieg ist nicht Coden, sondern Triage: Kunde meldet etwas im Kanal, daraus wird ein Issue mit Label und angehängtem Thread. Die Session ist geteilt — alle sehen den Plan. Achtung, unterschiedliche Konditionen: Slack nur Copilot Business/Enterprise, Teams alle bezahlten Pläne, dort aber AI Credits plus separat abgerechnete Cloud-Sandbox.Quelle: github.blog
  • Ask Gemini in Google Chat — Kommandozeile statt Tab-WechselSucht über Gmail, Drive und Kalender hinweg, fasst Gespräche zusammen, legt Termine und Aufgaben an. Per Strg+G bzw. Cmd+G, mit Sessions pro Thema — also je Kundenprojekt eine Session. Haken, davon gibt es einige: Rollout erst ab 26.08., nur Business/Enterprise Standard und Plus, nur bei Kontosprache Englisch. Und das Gemini-Side-Panel in Chat verschwindet dafür, Gems inklusive, der bisherige Verlauf wandert nicht mit.Quelle: workspaceupdates.googleblog.com
  • Claude Code: „Concise“ — der Schalter gegen das VorgeplänkelOutput-Style, bei dem Claude mit dem Ergebnis anfängt statt mit drei Absätzen „Ich werde jetzt zunächst…“. `/config` öffnen, unter Output style „Concise“ wählen. Im selben Fenster gefixt: eigene Output-Styles drifteten mitten in der Sitzung zur Standardstimme zurück. Bonus für Terminal-Gewohnheitstiere: `keybindingFlavor: "readline"`.Quelle: code.claude.com
  • ChatGPT Sites: URL ändern, ohne neu zu deployenPlus und Pro können die ChatGPT-gehostete URL einer bestehenden Site ändern; die alte Adresse leitet weiter, inklusive Unterseiten und Query-Parametern. Für alle, die beim Namen danebengegriffen haben und geteilte Links nicht tot umfallen lassen wollen.Quelle: help.openai.com
  • Apple Messages als Plugin — Codex darf jetzt SMSAuf Apple-Silicon-Macs liest und durchsucht das Plugin iMessage, SMS und RCS und bereitet Nachrichten vor. Der ungefährliche Anfang ist die Suche, nicht das Senden: „Was war mit Kundin X ausgemacht?“ statt zwei Monate hochscrollen. Beim Senden fragt ChatGPT vorher nach Text und Empfänger:innen — dieses Häkchen sollte auch dort bleiben. Nur Apple Silicon, nur Codex und ChatGPT Work.Quelle: developers.openai.com
  • Google Kalender: Leute blockieren, die dir ungefragt Termine reinlegenKein KI-Feature, aber das mit dem besten Aufwand-Nutzen-Verhältnis der Woche. Der aktuelle Termin verschwindet, neue Einladungen kommen nicht mehr an. Wichtig: Der Block ist kontoweit und produktübergreifend. Bei Absendern ohne Google-Konto geht nur die Gmail-Blockierung, die dann alle Mails abräumt.Quelle: workspaceupdates.googleblog.com
  • ChatGPT-Kleinkram, der im Alltag mehr bringt als er klingtChatGPT berücksichtigt jetzt deine lokale Zeit bei zeitkritischen Fragen. Lange Chats laden im Web deutlich schneller, weil Nachrichten in Häppchen kommen. Interaktive Inhalte erscheinen schon beim Bauen. iOS: + gedrückt halten öffnet die letzten Fotos. Android: generierte Bilder in voller Breite, acht statt weniger letzte Unterhaltungen.Quelle: help.openai.com
  • Außerdem kurz notiert: Codex-Snapshots, Notion-Developer-Bereich, Cross-Session-MessagingCodex-Chats lassen sich als statischer Read-only-Link teilen, ohne Tool-Calls und Shell-Ausgaben — OpenAI rät trotzdem, vorher selbst draufzuschauen. Notion bündelt Workers, Connections und Tokens unter `Settings → Developer`. Claude Code kann Cross-Session-Messaging jetzt auch auf Windows. GitHub hat bessere Verwaltung blockierter Nutzer.Quelle: notion.com
  • Außerdem neu: Firefly-Audio für alle, FLUX Video Upscale, Cursor OriginAdobe schaltet Soundtracks, Voiceovers und Sound-Effekte kommerziell frei — für alle, die für Kund:innen produzieren, der interessanteste Teil. Black Forest Labs zieht Videos per API auf bis zu 4K. Und Cursor Origin startet als bewusst interoperable GitHub-Alternative, ausgerechnet am Tag eines über sechsstündigen GitHub-Ausfalls.Quelle: blog.adobe.com
  • 📌 Nachgereicht: Korrektur zur letzten AusgabeLetzte Woche hieß es „Microsoft 365 Copilot ebenfalls nichts“. Zu schnell abgehakt: Der Release-Block vom 11.08. hat zwei Dinge, die zählen — in Word lassen sich zusätzlich zu den OpenAI-Modellen Anthropic-Modelle wählen, und Outlook gibt Coaching-Feedback im Chat, während du schreibst, wobei du entscheidest, welche Vorschläge übernommen werden. Beides braucht eine Microsoft-365-Copilot-Lizenz. Und zur Einordnung: zwei Wochen alt, nicht von dieser Woche.Quelle: learn.microsoft.com

💰 Business-Marker

Papiercollage: eine Schlange aus Geldscheinen frisst ihren eigenen Schwanz — die Zirkelfinanzierung.

🔭 Längere Perspektiven

Papiercollage: ein gewundener Weg führt durch geschichtete Berge zu einer fernen Fahne auf dem Gipfel.
  • Generierte Bilder lassen sich oft keinem einzelnen Trainingsbild zuordnenPeer-reviewed in Nature Communications: Auch bei bekanntem Trainingsset entstehen viele Diffusion-Outputs aus über die Daten verteilten Mustern statt aus einer auffindbaren Vorlage. Unangenehm für alle Provenienz- und Copyright-Argumente, die genau davon ausgehen.Quelle: nature.com
  • Preprint schätzt: 90 % der Biomedizin-Papers vom Dezember 2025 tragen KI-SpurenÜber das Jahr 2025 gerechnet 77 % der englischsprachigen PubMed-Central-Papers, Einleitungen und Diskussionen deutlich stärker betroffen als Methoden und Ergebnisse. Wortmuster-Schätzung aus einem unbegutachteten Preprint — kein Beleg dafür, dass die Wissenschaft selbst generiert wurde.Quelle: nature.com
  • DeepMind zieht die Linie von Atari über AlphaGo zu SIMA 2 — und dann nach EVE OnlinePersistente Spielerökonomien bringen Diplomatie, Konflikt und Gedächtnis mit; genau das, was saubere Benchmarks nicht abbilden. Der lesenswerte Teil ist die Begründung, warum das nächste Testfeld ein Spiel mit echten Menschen darin ist.Quelle: deepmind.google
  • Ben Tossell baut seinen Personal Agent von Grund auf neu — und erklärt jede Datei`AGENTS.md`, `memory/`, Skills statt „Bots mit Namen“, und die bewusste Entscheidung gegen automatisches Gedächtnis: gespeicherte Vorlieben lenken den Agenten in Bahnen, aus denen er beim Brainstormen nicht mehr rauskommt. Beste Zeile: Agenten sind zustimmungsfreudig, also nach Trade-offs fragen statt Empfehlungen zu übernehmen.Quelle: bensbites.com
  • Jedes fünfte Unternehmen kann einen entlaufenen Agenten nicht in Echtzeit stoppen85 % nutzen mindestens zwei Orchestrierungs-Plattformen, 64 % drei — 21 % haben nur reaktives Monitoring, keinen Kill Switch. 107 befragte Unternehmen, also richtungsweisend statt repräsentativ. Passt unschön zum fehlenden Notfall-Drehbuch ganz oben.Quelle: venturebeat.com
  • Apples versteckte Datenarbeiter:innen berichten von unerfüllbaren Quoten und Maus-TrackingLuciana und fünf Kolleg:innen bei spanischen Outsourcern beschreiben rechnerisch unmögliche Annotationsquoten, Aktivzeit-Überwachung, sprachabhängige Lohnlücken, NDAs und abrupte Entlassungen nach Apple-„Headcount“-Entscheidungen. Selbstauskünfte, nicht unabhängig geprüft. Ihre Forderung: Apple soll Arbeitsschutz durch die eigene KI-Lieferkette durchsetzen.Quelle: data-workers.org
  • Ulanqab wird Chinas Rechenzentrums-HauptstadtWired beschreibt die Innere Mongolei als dichtesten KI-Rechenzentrums-Hub des Landes: billiger Strom, kühles Klima, Bahnanbindung nach Peking. DeepSeek, ByteDance und Alibaba sind da, rund 12,5 GW Kapazität sind zugesagt.Quelle: wired.com
  • Unitree-Gründer: Der „ChatGPT-Moment“ der Humanoiden steht noch ausWang Xingxing dämpft auf der World Robot Conference in Peking trotz über 300 Ausstellern die Erwartungen — Fortbewegung überzeugt, Autonomie und tatsächlich nützliche Arbeit nicht. Bemerkenswert, weil es aus der Firma kommt, deren Roboter gerade die Sprint-Schlagzeilen macht. (Paywall)Quelle: ft.com
  • KI-Modell, trainiert auf lebender HautMichael Polansky baut ein Modell auf noch lebendem menschlichem Hautgewebe — ein schräges, aber ernstzunehmendes Signal, wohin sich BioML als nächstes bewegt.Quelle: techcrunch.com

🐦 Darüber spricht X

Timeline-Claims aus dem Grok-Digest und Cems X-Auswahl — Meinungen, Selbstauskünfte und teils unbestätigte Behauptungen, kein verifizierter Journalismus.

Papiercollage: ein Vogel auf einem Draht, aus dem eine rote Sprechblase kommt, daneben zwei blaue.

🍿 Gossip

Gerüchte, Stealth-Modelle und Timeline-Behauptungen ohne offizielle Bestätigung — bewusst getrennt vom Rest.

Papiercollage: eine umgekippte Popcorn-Tüte mit der Aufschrift „The Drama Show“, Popcorn fliegt heraus.

🗣 Kritische Stimmen

Aus dem Wochen-Digest (20.–23.08.). Eine Stimme laut, siebzehn still — das ist kein Ausfall, sondern Kalender: Der letzte Lauf war Donnerstag, dieser ist Sonntag.

Papiercollage: eine rote Figur auf einer Kiste ruft mit einem Megafon gegen eine graue Menge an.
  • Rechenzentren sind das neue toxische Asset — und die Republikaner springen abGary Marcus hat die Kurzwoche allein bestritten und formuliert es am 21.08. mit ungewohnter Schärfe: Republikaner verließen die Rechenzentren „like rats abandoning sinking ships“, der Widerstand gehe quer durch die Lager. Sein Befund in einem Satz: „nobody wants this, and the economics make no sense.“ Bemerkenswert ist die Selbstkorrektur nebenbei — bisher ging er von einem Bailout aus, jetzt hält er Big Tech für stärker in der Klemme, weil ein Bailout politische Anschlussfähigkeit voraussetzt und genau die gerade verschwindet.Quelle: garymarcus.substack.com
  • Die Mathematik geht nicht auf — zwei Rechnungen, dasselbe ErgebnisIm selben Post stellt Marcus zwei unabhängige Schätzungen nebeneinander, wie viel Jahresumsatz nötig wäre, um den Rechenzentrums-Capex zu refinanzieren. Obere Schätzung: rund 10 Billionen Dollar jährlich. Konservativer, nach Calum Williams (The Economist): 2,5 Billionen Dollar „AI revenues“ pro Jahr, dauerhaft. Dagegen die Realität — Umsätze im zweistelligen Milliardenbereich, bei sehr optimistischer Zählung im niedrigen dreistelligen. Marcus’ Kurzfassung: „the math ain’t mathing.“Quelle: garymarcus.substack.com
  • Wenn das Produkt nicht trägt, trägt vielleicht die ÜberwachungAm 20.08. zieht Marcus die Linie, die er seit 2024 vorbereitet: OpenAI baue Geräte für Dauerüberwachung, lade alles Gesagte zur KI-Analyse in die Cloud und habe darauf verzichtet, sich aus Überwachungsaufträgen für die US-Regierung auszunehmen. Der Punkt ist nicht Datenschutz im Einzelfall, sondern Geschäftslogik: Wenn generative KI als Produkt nicht profitabel wird, bleibt die Monetarisierung dessen, was die Nutzer:innen währenddessen preisgeben.Quelle: garymarcus.substack.com
  • Weiter unter Vorbehalt: Kate CrawfordIhr Vortrag „Mapping Empires“ fand am 20.08. an der BBAW in Berlin statt — es liegt bis heute weder Bericht noch Mitschnitt noch Zitat vor. Belegt ist nur der Ankündigungstext: KI nicht als Neuheit, sondern in einer viel älteren Geschichte imperialer Machtpfade. Ohne Berichterstattung zählt das nach der Quellenregel nicht als Wochenkritik. Crawford ist noch bis 02.09. Distinguished Fellow am Weizenbaum-Institut.Quelle: weizenbaum-institut.de
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