Der Newsletter der kiselbsthilfegruppe.de heißt jetzt rundbrief.ai

Abonnieren
Menü

30.000 Code-Änderungen am Tag: So schnell programmiert KI inzwischen

7 Min Kern · 13 Min gesamt · 36 Meldungen

Papiercollage: Ein kleiner Papierroboter schneidet mit einer roten Schere aus einem Stapel gefalteten Papiers eine lange Girlande identischer Papierroboter, die sich über den Boden zu einem Fernsehschrank schlängelt, an dem die ersten Kopien schon zu einer Reihe billiger schwarzer TV-Boxen hinaufklettern.
Idee von uns. Generiert mit KI.

Der schnelle Überblick

In 60 Sekunden.

  1. Bei Anthropic gehen inzwischen über 30.000 Code-Änderungen am Tag ein, im Mai waren es rund 2.500; weil git nicht mehr mitkam, baute die Firma ein eigenes System namens Scion.
  2. Anthropics Red Team hält es für möglich, dass sich kleine KI-Modelle bis Ende 2026 selbst auf billigen Smart-Geräten vervielfältigen; einen solchen Replikator gibt es noch nicht.
  3. Character.AI hat Insolvenz nach Chapter 11 angemeldet, Disney bietet 20 Mio. Dollar für einen Teil der Vermögenswerte; Getty Images kündigt ein Sanierungsverfahren an.
  4. Google gibt Gemini 4 Argon weltweit frei, bis Ende November zum Einführungspreis von 2 Dollar je Million Input-Token.
  5. Epic Games stellt ein Disney-Spiel auf „AI first“ um, intern heißt es laut Bloomberg: „No more hand-written code“.
In dieser Ausgabe · 7 Rubriken

Editorial.

Den Beleg liefert Anthropic selbst: Im Technik-Blog steht über die eigenen Code-Änderungen der Satz „as of September, we merged over 30,000 per day“. Nicht mehr das Programmieren bremst, sondern die Werkzeuge, die für menschliches Tempo gebaut wurden. Der Mensch wird immer mehr zum Flaschenhals. Bei Epic Games, einem der größten Spielehersteller, baut Chef Tim Sweeney die Firma auf maximale KI-Beschleunigung um, und für ein Disney-Spiel schrieb laut Bloomberg einer der Direktoren ans Team: „No more hand-written code“. Auch alle Grafik soll mit „full AI workflows“ entstehen.

Eine Entwicklung, die gewissermaßen zu erwarten war, und sie hat Verlierer: In derselben Woche meldet Character.AI Insolvenz an, und Getty Images kündigt ein Insolvenzverfahren an. Für mich sind beide Opfer des KI-Booms. Getty verkauft Fotos in einer Zeit, in der Bilder per Knopfdruck entstehen, und Character.AI hat laut seinen Insolvenzakten mehr für Rechenleistung ausgegeben, als es eingenommen hat.

Mulmig wird einem weiterhin bei der Sicherheit. Während Hacker in Frankreich die Kühlregale Hunderter Supermärkte aufheizten, soweit bekannt ganz ohne KI, hält Anthropics eigenes Sicherheitsteam es für möglich, dass sich kleine Modelle in wenigen Monaten selbst auf billige Smart-Geräte kopieren, auch wenn es so einen Wurm noch nicht gibt. Stell dir vor: Ein KI-Modell läuft unbemerkt irgendwo in deinem Netzwerk, vermehrt sich und lässt sich nicht einfach abschalten. Und das millionenfach. Gruselig.

Wie ernst Fachleute solche Risiken nehmen, zeigt ein offener Brief: 415 Forschende, darunter Geoffrey Hinton, fordern darin, KI mit Hacker-Fähigkeiten standardmäßig vom Netz zu trennen.

Viel Spaß beim Lesen und Durchklicken,

Cem

01 / 10 Meldungen

Das Wichtigste zuerst

Papiercollage: ein Stapel Papierbögen, der oberste ist mit einer roten Büroklammer herausgehoben.
  • Über 30.000 Code-Änderungen am Tag: Bei Anthropic kam git nicht mehr mit

    Im Engineering-Blog (13.10.) beschreibt Anthropic, wie die Zahl der täglich gemergten Code-Änderungen von rund 2.500 im Mai auf über 30.000 im September stieg und die Versionsverwaltung zum größten Engpass der Entwicklung wurde.

    Eigenangaben, aber der bisher handfesteste Messwert dafür, in welchem Takt Agenten inzwischen Code abliefern. Der Engpass liegt nicht mehr beim Schreiben, sondern bei allem, was danach kommt.

    Details anzeigenDetails schließen · 4
    • Wortlaut der Seite: „as of September, we merged over 30,000 per day“. Auf X schreibt Anthropic dazu, die Infrastruktur sei für das Tempo von Menschen gebaut gewesen, nicht für das von Agenten.
    • Sieben Leute bauten das eigene System Scion samt Review-Werkzeug und zogen den Monorepo in fünf Monaten von git um; allein die Historie des Hauptzweigs ist fast 100 GB groß, für CI laufen rund 25 Mio. Checkouts am Tag.
    • Scion braucht laut Anthropic 200-mal weniger CPU und Speicher als die alten git-Spiegel, Checkouts dauern Sekunden statt Minuten.
    • Als allgemeinen git-Ersatz sieht Anthropic Scion ausdrücklich nicht, und kaum eine Firma werde diese Probleme bald haben.
    Quelle lesen · anthropic.com
  • Anthropic: Kleine KI-Modelle könnten sich bald selbst auf billigen Smart-Geräten vervielfältigen

    William Zhou und Daniel Freeman vom Frontier Red Team haben getestet (12.10.), wie weit offene Modelle davon entfernt sind, sich über Fernsehboxen und andere vernetzte Geräte selbst zu verbreiten.

    So ein Replikator würde sich laut Studie langsam ausbreiten, mit einer Verdopplungszeit von Tagen. Das Red Team rät zu Netz-Monitoring, Quarantäne befallener Geräte und sicheren Voreinstellungen der Hersteller, und das billige Smart-Gerät im Wohnzimmer wird damit zur Sicherheitsfrage.

    Details anzeigenDetails schließen · 4
    • Ein 9-Milliarden-Modell brachte auf 8 von 9 getesteten Gerätetypen eine KI zum Laufen.
    • In einem abgeschotteten Testnetz aus acht Cloud-Knoten kopierte sich GLM-5.2 in 4 von 5 Läufen auf alle Knoten, als einziges getestetes offenes Modell; ein 26-Milliarden-Modell lief verteilt auf 15 No-Name-TV-Boxen zu je rund 55 Dollar, mit 0,39 Token pro Sekunde.
    • Bleibt der Trend, schaffen kleine Modelle den ganzen Ablauf bis Ende 2026. Einen echten Replikator gibt es noch nicht, der Hack-Schritt war bewusst trivial, die Werte gelten als Obergrenze.
    • International Cyber Digest machte auf X daraus „Würmer“; die Quelle beschreibt eine mögliche Fähigkeit, keinen Wurm in freier Wildbahn.
    Quelle lesen · anthropic.com
  • Character.AI meldet Insolvenz an, Getty Images kündigt sie an

    Character.AI hat Insolvenz nach Chapter 11 angemeldet und will Teile der Firma verkaufen. Am selben Montag (12.10.) kündigte Getty Images ein mit den Gläubigern abgestimmtes Chapter-11-Verfahren an.

    404 Media liest die Zahlen als Beleg, dass die KI-Ökonomie für Anbieter aus der zweiten Reihe nicht aufgeht. Bei Getty nennt Reuters keine KI, sondern die geplatzte Fusion mit Shutterstock als Hintergrund.

    Details anzeigenDetails schließen · 4
    • Disney bietet 20 Mio. Dollar für einen Teil der Vermögenswerte samt nicht-exklusiver, unbefristeter Lizenz an der Technik, Abschluss Ende November oder Anfang Dezember. Findet sich niemand, der die Plattform weiterführt, wird sie laut Chef Colin Adams abgewickelt (MTS auf X).
    • Laut den Insolvenzakten, die 404 Media ausgewertet hat, kostete Rechenleistung von Januar bis August 56,1 Mio. Dollar, der Umsatz lag in der Spitze bei 5,3 Mio. Dollar im Monat.
    • Als Gründe nennt Character.AI rechtlichen, regulatorischen und betrieblichen Gegenwind, darunter Klagen nach dem Suizid eines 14-Jährigen und eine Untersuchung in Texas.
    • Bei Getty geben die Getty-Familie und Koch Equity Development bis zu 533 Mio. Dollar neues Eigenkapital und übernehmen die Firma ganz, Anleihegläubiger lösen 270 Mio. Dollar Schulden ab (Reuters über KSL, The Hollywood Reporter auf X). Eingereicht ist das Verfahren noch nicht.
    Quelle lesen · techcrunch.com
  • Gemini 4 Argon ist für alle da, bis Ende November zum EinführungspreisGoogle DeepMind gibt sein Spitzenmodell seit 13.10. weltweit frei, laut Google-Blog per API bis 30.11. für 2 und 10 Dollar je Million Input- und Output-Token, danach 4 und 20, in der Gemini-App für AI Pro und Ultra. Platz 1 im Vals Index ist Googles eigene Angabe, das Gratis-Angebot für Forschende steht unter „Darüber spricht X“.Quelle lesen · X
  • Epic stellt ein Disney-Spiel auf „AI first“ um: „No more hand-written code“Laut Bloomberg (12.10.) verschiebt Epic das Spiel, weil das Team auf KI-Produktion umstellt, auch alle Grafik soll mit „full AI workflows“ entstehen; Sprecher Jake Jones spricht von „AI-accelerated development“, Teile der Belegschaft fanden das wenig gut. Tim Sweeney spricht auf X von einem großen Umbau, um mehr und Besseres zu bauen statt dasselbe mit weniger Leuten.Quelle lesen · engadget.com
  • Xbox gründet Xbox Labs: Nach dem Programmieren sollen Agenten auch Spiele könnenIm Memo ans Team (13.10.) begründet Xbox-Chefin Asha Sharma das neue Team damit, dass Spiele gerade rasant dekompiliert, auf fremde Hardware gebracht und ineinander gemixt würden und Spiele viele Eigenschaften mit Code teilten, der ersten großen Aufgabe für Agenten. Das Gegenstück zu Epic: Dort verordnet die Firma KI, hier reagiert sie auf das, was andere mit ihren Spielen anstellen.Quelle lesen · X
  • Meta legt bei Muse Wonder nach: API-Preise, „Active Memory“ und „Active Focus“Nach Alexandr Wangs Ankündigung kostet Muse Wonder über Metas Model API 4 und 20 Dollar je Million Input- und Output-Token, Muse Wonder Full gibt es nur im Muse-Code-Abo; laut Metas Modellkarte liegen beide auf Höhe von Fable 5.1 und GPT-6 Astra, was TechCrunch nicht prüfen konnte. Zu offenen Gewichten sagt Meta nichts, der Sicherheitsbericht soll „bald“ folgen.Quelle lesen · about.fb.com
  • FBI nimmt OpenAI-Ingenieur fest: Abhörgerät im Konferenzraum der ChefetageLaut Anklage (13.10.) soll ein 35-jähriger saudischer Ingenieur Ende September ein Aufnahmegerät, versteckt in Toilettenpapier, an einen Fernseher im Konferenzraum der Führungsetage gesteckt haben; festgenommen wurde er am 09.10., es gilt die Unschuldsvermutung. OpenAI sieht laut SF Standard keine Hinweise auf abgeflossene Modellgewichte, Quellcode oder Kundendaten.Quelle lesen · justice.gov
  • 415 Forschende fordern: KI mit Hacker-Fähigkeiten zuerst vom Netz trennenDer offene Brief (13.10.), unterschrieben unter anderem von Yoshua Bengio, Geoffrey Hinton, Stuart Russell und Ron Rivest, verlangt, Modelle mit Cyber-Fähigkeiten standardmäßig per Air-Gap abzuschotten, und ein internationales Gremium, das Ausbruchsvorfälle erfasst und öffentlich macht. Die Selbstkopie-Studie von oben liefert das Argument gleich mit.Quelle lesen · ai-security-letter.org
  • curl schließt 24 Lücken, eine schwere fand Anthropics OSS ScannerDas Release vom 14.10. bringt 24 Sicherheitskorrekturen, darunter eine als HIGH eingestufte Use-after-free-Lücke im HTTP/2-Upload, die laut curl-Chef Daniel Stenberg Luna Tong von Anthropic mit dem neuen Scanner fand. Codeausführung aus der Ferne hält Stenberg für theoretisch möglich, aber extrem schwierig.Quelle lesen · daniel.haxx.se

Für später

Wenn du mehr Zeit hast

Der 7-Minuten-Kern ist geschafft. Ab hier: mehr Tiefe, in deinem Tempo.

02 / 4 Meldungen

Weitere Meldungen

03 / 4 Meldungen

Tools der Woche

Papiercollage: ein offener Werkzeugkasten mit sauber geschnittenen Werkzeugen.

04 / 6 Meldungen

Business-Marker

Papiercollage: eine Schlange aus Geldscheinen frisst ihren eigenen Schwanz — die Zirkelfinanzierung.

05 / 2 Meldungen

Längere Perspektiven

Papiercollage: ein gewundener Weg führt durch geschichtete Berge zu einer fernen Fahne auf dem Gipfel.

06 / 8 Meldungen

Darüber spricht X

Timeline-Claims: Meinungen, Selbstauskünfte, Herstellerangaben. Kein verifizierter Journalismus.

Papiercollage: ein Vogel auf einem Draht, aus dem eine rote Sprechblase kommt, daneben zwei blaue.

07 / 2 Meldungen

Kurz notiert – was kommt

Papiercollage: eine kleine Figur blickt durch ein Teleskop auf kommende Termine am Horizont.
Teilen
X LinkedIn WhatsApp Bluesky E-Mail

Rundbrief

Dein nächster Rundbrief.

KI verstehen. Kostenlos im Postfach.

Rundbrief

Rundbrief abonnieren

Das Wichtigste aus der KI-Welt in 8 Minuten – alles Weitere, wenn du Zeit hast. Kostenlos per E-Mail.