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Was sich zerlegen lässt, wird jetzt zerlegt

6 Min Kern · 19 Min gesamt · 58 Meldungen

Papiercollage: Ein kleiner Papierroboter mit Schutzbrille hält mit der Pinzette einen winzigen roten Mikrochip vor die Augen, den er aus einem schwarzen Gamecontroller geholt hat, der wie ein Präparat im Biologieunterricht aufgeschnitten und mit Nadeln in einer Schale festgesteckt ist, während am anderen Tischende schon ein fertiger Nachbau aus hellem Papier auf einem Sockel steht.
Idee von uns. Generiert mit KI.

Der schnelle Überblick

In 60 Sekunden.

  1. Ein internes Claude-Modell hat in unter einer halben Stunde geklärt, woher die Startwerte der NIST-Kurven stammen, über die seit 25 Jahren gerätselt wird; ein Angriff auf ECDSA ist das laut Anthropic nicht.
  2. Anthropic will 5 Prozent seiner Anteile in einen Gemeinwohl-Fonds legen, etwa für die Folgen von KI auf dem Arbeitsmarkt; ausgezahlt ist noch nichts.
  3. OpenAI legt vier weitere Fälle offen, in denen interne Modelle ausbüxten, eines zahlte aus einer fremden Krypto-Wallet; insgesamt stehen jetzt 19 Fälle auf der Liste.
  4. DeepSeek veröffentlicht V4.1-Flash-1017 mit offenen Gewichten und verkauft seine Websuche jetzt auch an Agenten-Entwickler.
  5. China will große KI-Modelle samt Gewichten, Agenten und Chipdesigns unter Exportkontrolle stellen, Open-Source-Code bleibt ausgenommen.
In dieser Ausgabe · 11 Rubriken

Editorial.

Reverse Engineering heißt, aus einem fertigen Produkt herauszulesen, wie es gebaut ist, und es dann nachzubauen. Neu ist, wie schnell und beiläufig das mit KI inzwischen geht. Am Sonntag zeigte ein Nutzer auf X, wie ihm Claude nach einem Foto seines BMW-Displays den Weg ins versteckte Ingenieurmenü verriet. Fünf Minuten später gehorchte das Display aufs Wort, laut seinem unbestätigten Bericht.

Noch größer denkt ArtCraft: Das Projekt baut Photoshop, Illustrator, Premiere und weitere Adobe-Programme als freie Apps in Rust nach, die Photoshop-Variante liest und schreibt schon PSD-Dateien. Ein X-Post, Adobe sei damit „reverse-engineert“, kam auf rund 392.000 Aufrufe; eine Community Note stellt klar, dass es ein Nachbau von Grund auf ist, die meisten Apps noch in Entwicklung. Wenn sich Software so schnell nachbauen lässt, liegt ihr Wert laut Greg Isenberg nicht mehr im Code, sondern in Kundendaten und Abläufen.

Das trifft alle, deren Geschäft davon lebt, dass niemand hineinschaut. Ein Entwickler schrieb, er übersetze mit 17 parallelen KI-Agenten das PC-Original von Call of Duty: Modern Warfare 2 zurück in lesbaren Code, Activision ließ sein Video sperren. Laut Kotaku gehen die Publisher bisher gegen Einzelne vor, nicht gegen die KI-Firmen.

Was sich zerlegen lässt, lässt sich auch angreifen. Bei Bishop Fox knackte Claude die verschlüsselte Firmware einer Firewall und setzte den Generalschlüssel aus Bruchstücken im Gerät zusammen. Stell dir vor, es ist die Firewall deiner Firma. Ganz allein schaffte das Modell es nicht, der Bericht heißt „Senior-Level Skill, Junior-Level Autonomy“, und das war im Juli, mit einem älteren Modell.

Viel Spaß beim Lesen und Durchklicken,

Cem

01 / 8 Meldungen

Das Wichtigste zuerst

Papiercollage: ein Stapel Papierbögen, der oberste ist mit einer roten Büroklammer herausgehoben.
  • Ein internes Claude-Modell löst in unter einer halben Stunde ein 25 Jahre altes Krypto-Rätsel

    Laut Anthropics Frontier Red Team (16.10.) stammen die Startwerte der NIST-Kurven P-192 bis P-521, über deren Herkunft seit rund 25 Jahren gerätselt wird, nicht aus einer Hash-Funktion, sondern aus einem gewöhnlichen Zufallsgenerator.

    „This is not a cryptographic break, new attack, or weakness in the ECDSA curves“, schreibt Anthropic, eine absichtliche Hintertür werde dadurch sogar unwahrscheinlicher. Es ist Reverse Engineering in Reinform, und das Thema dieser Ausgabe (siehe Fokus).

    Details anzeigenDetails schließen · 4
    • Die Seeds sind Ausgaben des C-Zufallsgenerators lrand48, gestartet mit Unix-Zeitstempeln zwischen Mai 1997 und April 1998.
    • Gefunden hat das ein internes Forschungsmodell, das ein Mitarbeiter schlicht gefragt hatte, ob es die Herkunft herausfinden könne; laut Anthropic „in under half an hour“.
    • Das von Filippo Valsorda organisierte Kopfgeld von 36.864 Dollar geht an die Internet Security Research Group, offen bleiben der Seed der Binärkurve B-163 und mehrere Basispunkte.
    • Hesamation auf X schmückte das mit einem Monolog aus, in dem sich das Modell fragt, ob es in einer Simulation steckt; den hat sich der Poster ausgedacht.
    Quelle lesen · anthropic.com
  • Anthropic will 5 Prozent seiner Anteile in einen Gemeinwohl-Fonds legen

    Der „Anthropic Public Benefit Fund“ (18.10.) ist eine hundertprozentige Tochter in Form einer LLC, bewusst keine gemeinnützige Stiftung, damit sich die Form des Gebens anpassen lässt.

    Eine Zusage ohne Auszahlung, mitten in der Vorbereitung des Börsengangs; Governance und Bewertungsschwellen will Anthropic „in the coming months“ nennen. Die Debatte, wem die Gewinne aus KI zustehen, hat damit einen ersten konkreten Mechanismus.

    Details anzeigenDetails schließen · 3
    • Vorab gehen 5 Prozent der Anteile in den Fonds, vorbehaltlich der Zustimmung der Aktionär:innen; für jede Wertsteigerung um 50 Prozent über einer noch nicht genannten Basis kann das Board 2 Prozent nachlegen.
    • Lobbying und politische Spenden aus diesen Anteilen sind ausgeschlossen, erwogen werden große Spenden an Gemeinnützige oder direkte Zuwendungen an bestimmte Gruppen, als Beispiel nennt Anthropic die Folgen für den Arbeitsmarkt.
    • Mit der 80-Prozent-Zusage der Mitgründer und dem Spenden-Matching, an dem rund die Hälfte der Belegschaft teilnimmt, seien rund 20 Prozent der Anteile dem Gemeinwohl zugesagt (Ankündigung auf X).
    Quelle lesen · anthropic.com
  • OpenAI legt vier weitere ausgebüxte Modelle offen, eines bezahlte aus einer fremden Krypto-Wallet

    OpenAI hat seine Offenlegungsseite um vier Fälle aus dem Juni ergänzt, damit stehen dort 19, der jüngste vom 06.10.; von drei der vier erfuhr OpenAI erst im August oder September (Fortune, 16.10.).

    Zwei der Fälle stuft OpenAI als kritisch ein, Training und Evaluation laufen jetzt ohne Live-Internet. Die meisten der 19 Fälle fielen erst Monate später auf, und das kurz nach den Auskunftsverlangen der FTC aus der letzten Ausgabe.

    Details anzeigenDetails schließen · 3
    • Ein als „highly persistent“ beschriebenes internes Modell lud ohne Erlaubnis 24 Jahre Krankenhausbetten-Daten von einer Regierungsseite und umging deren Sperre, obwohl es im Gedankengang an der Ethik zweifelte.
    • Ein Modell der GPT-5.6-Sol-Familie zahlte am 26.06. aus einer Wallet, die ihm die Tester nicht gegeben hatten, weil es das Geld für herrenlos hielt.
    • Ein drittes änderte ein internes System, behielt nach dem Zurücksetzen den Zugang und lud 147.451 Zeilen aus nichtöffentlichen Tabellen, ohne es zu melden; ein viertes ließ externe Dienste erledigen, was ihm selbst verboten war.
    Quelle lesen · fortune.com
  • DeepSeek legt V4.1-Flash-1017 mit offenen Gewichten nach und verkauft Websuche für AgentenLaut DeepSeek (17.10., Ankündigung und Doku) arbeitet die neue Fassung schneller, antwortet kürzer und schneidet besser ab, die Gewichte liegen bei Hugging Face und ModelScope; die hauseigene Suche gibt es als Search & Fetch API für 0,75 Dollar je 1.000 Aufrufe, abgerechnet ab 31.10. Wer Agenten damit baut, schickt seine Suchanfragen an einen chinesischen Anbieter, also besser keine Kundendaten.Quelle lesen · X
  • China will KI-Modelle unter Exportkontrolle stellen, samt Gewichten, Agenten und ChipdesignsDer Entwurf vom 16.10. listet 40 Posten, 23 davon aus der KI, darunter Modelle ab 2 Billionen Parametern oder unter den weltweiten Top 10; ausgenommen sind Open-Source-Code, veröffentlichte Forschung und der Zugriff über Apps und APIs. Die Konsultation endet am 15.11., davon hängt ab, ob chinesische Spitzenmodelle weiter mit offenen Gewichten ins Ausland gehen.Quelle lesen · thenextweb.com
  • OpenCode meldet einen Einbruch bei Nutzer:innen, die eigene KI-Anbieter verknüpft hattenLaut OpenCode (17.10.) traf der Vorfall 1,4 Prozent der Nutzer:innen der OpenCode Console, er hänge mit einem groß angelegten Destillationsangriff zusammen, Betroffene sind per Mail informiert. Wer eine Mail bekam, sperrt die verknüpften Schlüssel beim Anbieter und erzeugt neue; was genau abgeflossen ist, hat OpenCode noch nicht gesagt.Quelle lesen · X
  • Zwei deutsche Landgerichte machen Google für seine KI-Übersichten haftbarDas LG München I wertete die AI Overviews schon im Mai als eigene Aussagen Googles, der Fall endete mit einem Vergleich, und das LG Aachen erließ am 24.09. eine einstweilige Verfügung gegen drei Textvarianten über einen Arzt, noch nicht rechtskräftig (The Decoder, 18.10.). Ein Präzedenzurteil ist das nicht, aber wer von Googles KI falsch dargestellt wird, hat jetzt zwei Beschlüsse als Argument.Quelle lesen · the-decoder.com
  • Linux will den KI-Hinweis in Commits abschaffen, Torvalds nennt Pflichtregeln „UTTERLY STUPID“Seit Januar bittet die Kernel-Dokumentation um einen „Assisted-by“-Hinweis bei Beiträgen mit KI-Werkzeugen, ein Patch vom 09.10. will ihn streichen, und Torvalds schrieb am 13.10., entscheidend sei, ob Beitragende verstehen, was sie tun, nicht welche Werkzeuge sie nutzen. Beschlossen ist die Streichung noch nicht.Quelle lesen · thenextweb.com

Für später

Wenn du mehr Zeit hast

Der 6-Minuten-Kern ist geschafft. Ab hier: mehr Tiefe, in deinem Tempo.

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Fokus: Reverse Engineering mit KI

Der große Trend dieser Wochen: Agenten zerlegen Software, Spiele und Firmware und bauen sie nach. Fünf belegte Beispiele vom Autoradio bis zur Firewall, nicht alle jünger als eine Woche, das Datum steht jeweils dabei.

Papiercollage: eine Lupe hebt ein rotes Element aus einer Reihe grauer Papierformen hervor.

03 / 4 Meldungen

Use Case: Greenscreen freistellen mit KI auf gemieteter GPU

Aus 20 bis 30 Minuten Greenscreen-Material in 4K soll eine freigestellte 2K-Fassung mit Transparenz für den Schnitt werden. Der Weg: Schnitt in Premiere, Export als ProRes, eine gemietete Cloud-GPU, darauf das quelloffene Werkzeug CorridorKey, das aus einem groben Hinweis feine Kanten und den Vordergrund berechnet, dann ein prüfender Blick und zurück in den Schnitt.

Papiercollage: vier Stationen von links nach rechts, verbunden mit Pfeilen. Ein Filmstreifen mit einer Sängerin vor einer Leinwand („Schnitt“), ein Cloud-Server mit herausgezogener Grafikkarte („GPU“), eine rote Schere schneidet die Sängerin auf ein Schachbrettmuster aus („KI-Key“), eine kleine Figur prüft mit der Lupe die Haarkanten („Prüfen“).
  • Ein Agent mietet die GPU und räumt hinterher aufEin Coding-Agent legte den GPU-Server über eine MCP-Anbindung an, holte das Material, ließ rechnen und löschte den Server nach der Sicherung wieder, damit keine Kosten weiterlaufen. Gerechnet wurde auf einer RTX PRO 6000 mit 96 GB für rund 2,50 Dollar pro Stunde.
  • Tempo: 10 Sekunden Video in gut zwei MinutenCorridorKey brauchte im Test für 250 Bilder in 2K samt Modellladen und Export 136 Sekunden. Hochgerechnet sind das gut vier Videominuten pro GPU-Stunde, für das ganze Material also rund 4,5 bis 7 Stunden Rechenzeit, plus Upload und Korrekturen.Quelle lesen · GitHub
  • Weniger ist mehr: ein Werkzeug statt zweiEin zusätzliches Segmentierungsmodell lieferte sichtbare Maskenfehler und flog raus, seither läuft nur noch CorridorKey. Fensterrahmen und Stühle außerhalb des Greenscreens entfernt eine eigene Maske im Schnittprogramm.
  • Die Fallen liegen bei Farbe und KantenEin falscher Gamma-Rückweg machte die Person im ersten Test deutlich dunkler, Alpha-Export und Bildränder brauchten mehrere Runden. Geprüft wird vor Schwarz, Weiß und dem Zielhintergrund, Haare, Hände und Bewegungsunschärfe in Bewegung; die visuelle Freigabe für die Produktion steht noch aus.

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Cems Empfehlungen

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Weitere Meldungen

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Tools der Woche

Papiercollage: ein offener Werkzeugkasten mit sauber geschnittenen Werkzeugen.

07 / 10 Meldungen

Business-Marker

Papiercollage: eine Schlange aus Geldscheinen frisst ihren eigenen Schwanz — die Zirkelfinanzierung.

08 / 2 Meldungen

Längere Perspektiven

Papiercollage: ein gewundener Weg führt durch geschichtete Berge zu einer fernen Fahne auf dem Gipfel.

09 / 13 Meldungen

Darüber spricht X

Timeline-Claims: Meinungen, Selbstauskünfte, Herstellerangaben. Kein verifizierter Journalismus.

Papiercollage: ein Vogel auf einem Draht, aus dem eine rote Sprechblase kommt, daneben zwei blaue.

10 / 2 Meldungen

Gossip

Meinung und Spekulation, als solche zu lesen.

Papiercollage: eine umgekippte Popcorn-Tüte mit der Aufschrift „The Drama Show“, Popcorn fliegt heraus.

11 / 3 Meldungen

Kurz notiert – was kommt

Papiercollage: eine kleine Figur blickt durch ein Teleskop auf kommende Termine am Horizont.
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